Oktober

Die Stadt riecht nach längst vergangenen Wochen: Reges Treiben in den Straßen, die letzten Urlauber, die draußen die Wärme genießen – die Sonne gaukelt ihnen einen weiteren Tag des nie enden wollenden Sommers vor. Es ist, als wäre man es diesen letzten warmen Tagen schuldig, ihnen zu huldigen. Dabei ist der Sommer, ganz heimlich, längst vergangen.

Ein Schritt in den Wald, und es wird schlagartig kühler. Dunkler. Ruhiger. Die Bäume schlucken zuverlässig sämtliche Geräusche, nur um ihre eigenen zu erzeugen. Ein stetiges Rascheln und Knacken zeugt von der Vielzahl kleiner Waldbewohner, die sich im Schutz des Blätterdaches emsig auf kältere Tage vorbereiten. Ein Amsel-Pärchen hopst über den laubbedeckten Boden, pickt und scharrt hier und da zwischen den Zweigen. Ein Eichhörnchen huscht durch’s Geäst, sein schwarzes Schwänzchen verschwindet eilig im nächsten Wipfel. Ob es seine Beute gut versteckt hat?

In einiger Entferung ertönt der Schrei eines Eichelhähers, der sich über mein Eindringen in sein schattiges Reich beschwert. Ein sanfter Windhauch trägt kühle Waldluft an meine Nase. Sie bildet einen Kontrast zu den Sonnenstrahlen, die eben noch meine Haut kitzelten. Neben mir fallen sacht ein paar Blätter auf den Boden. Leise, aber bestimmt.

Ich schließe die Augen und atme tief ein. Höre meine Umgebung. Inhaliere ihren vielversprechenden Duft. Es ist Herbst geworden.

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