Am Anfang war das Wort

Am Anfang war das Wort, und das Wort wog schwer. Dabei kam es mir so leicht, so unscheinbar über die Lippen.

„Ja“, sagte ich leise, aber bestimmt, als du mich fragtest, ob ich dich verlassen will. Ja, schrie es in mir deutlich lauter. Nicht deinetwegen – meinetwegen!, dachte ich dabei. Atmen konnte ich schon lange nicht mehr, vor lauter Menschen um mich herum, zwischen denen ich mich einsam fühlte. Ihre Worte waren stets die falschen, und ohnehin meist nicht für mich bestimmt.

„Okay.“ Ein mitfühlendes Lächeln. Ich sah dich an, verwundert, und wartete auf mehr. Wenige Worte machen die Luft so dick. Aber ich wartete vergebens. Deine Erklärung reihte sich ein hinter den vielen nie ausgetragenen Diskussionen. Auf später verschoben. Du musst immer erst eine Weile darüber nachdenken. Wie lang ist eine Weile? – Ich habe es nie herausgefunden.

Als ich ging und du bliebst, gab es keine bösen Worte. Schließlich war es für dich „okay“ – und ich hatte wohl kein Recht dazu. Alles war so einfach, ohne jeden Streit. Alles, außer das Heilen.
Wir vergaßen die Sprache des Anderen ganz beiläufig. Worte stachen plötzlich wie Nadeln unter der Haut, brannten bei jeder Berührung – bis wir lernten, ihnen aus dem Weg zu gehen.

Am Ende steht das Schweigen wie ein Mahnmal im Raum. Wir sprechen nicht mehr, bevor wir uns weiter missverstehen. Worte waren nie meine Stärke, lautet unsere neuste Ausrede. Wir werden wohl keine weitere brauchen.

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