Über das Nicht-Schreiben #2 – Große, neue Welt

Als ich aufwache, ist es noch dunkel. Ich blinzle zweimal, bevor ich die leuchtenden Zahlen an der Zimmerdecke finde. Die Sache mit der Kurzsichtigkeit lässt sich immer schwerer ignorieren. 5:43 Uhr. Ich strecke mich genüsslich. 6 Uhr ist das neue Ausschlafen.

Ich suche nach meinen Socken, die ich irgendwo zwischen den Decken verloren habe. Mit warm eingepackten Füßen schlurfe ich den Flur hinunter, Richtung Bad. Die Zahnbürste im Mund linse ich durch die kleine Scheibe ins Wohnzimmer. Der Mann liegt auf der Couch, es scheint ruhig zu sein, aber das kann sich jeden Moment ändern. Zeit für einen Schichtwechsel.

Auch zwei Stunden später ist es kaum heller geworden. Irgendwann bin ich wohl wieder eingenickt. Draußen regnet es in Strömen, unser Wohnzimmer liegt in diffusem Dämmerlicht. Auf meinem Brustkorb ruht der kleine, warme Körper, um den sich plötzlich alles zu drehen scheint, Tag für Tag, 24 Stunden. Ich habe längst vergessen, welcher Wochentag gerade ist, und Uhrzeiten sind, abgesehen von den wenigen Terminen, erfrischend irrelevant geworden. Und doch bin ich ständig beschäftigt.

Es ist dieses Phänomen, die Relativität der Zeit, das mich in diesem Moment schmunzeln lässt. Meine Schreibflaute begann, als ich so viel Freizeit hatte, wie nie zuvor. Dennoch greife ich ausgerechnet jetzt, obwohl der Moment der Ruhe vermutlich nur noch Minuten dauert, nach meinem Smartphone – für alles andere habe ich keine Hand frei. Schließlich gibt es doch so viel erzählen, über diese Welt, die auch für mich plötzlich ganz anders aussieht.

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