Über das Nicht-Schreiben #4 – „Ende des Sommers…“

„Ich möchte einen Roman schreiben“, verkündete ich damals, als im Geburtsvorbereitungskurs gefragt wurde, welche Pläne wir denn für die Elternzeit hätten. Ich erntete ein gutmütiges Schmunzeln, man wünschte mir viel Erfolg – schließlich war es auch für die anderen Teilnehmer das erste Mal, man wusste es ja auch nicht besser.
Genau genommen hatte ich schon damals so eine Ahnung, plante eigentlich, dieses Mammut-Projekt eben bereits vor der Elternzeit zu bewältigen, ja sogar vor dem Eintreffen des vierten Familienmitgliedes (und ja, ich zähle den Hund mit). Pustekuchen.

Vielleicht, denke ich manchmal, vielleicht verhext man es ja, wenn man sich solche Ziele setzt – sei es „bis zum Ende der Ferien“ oder der Nanowrimo. Zu viel Druck.
Denn mit dem literarischen Schreiben ist es so gar nicht wie damals, zu Studienzeiten, als ich Seminararbeiten binnen weniger Tage aufs Papier rotzte, Korrekturlesen hatte ich ohnehin nicht nötig, schnell zum Copyshop fuhr, das Ganze, ohne noch einen Blick auf die frisch gedruckten Seiten zu verschwenden (Fehler, die man dort mit 200%iger Wahrscheinlichkeit findet, kann man ohnehin nicht mehr ändern), abgab und meist wenigstens ein „Gut“ kassierte.
Warum ich eigentlich nicht den Plan umgesetzt hatte, „irgendwas mit Schreiben“ zu studieren, wie ich es als Kind immer wollte, könnte man sich an dieser Stelle fragen, doch die Antwort nimmt die Frage vorweg: Vernunft. Als ob die einen glücklich machte.

Nein, literarisches Schreiben braucht dieses gewisse Etwas, das ich selbst nicht benennen kann, das leider nicht so verlässlich ist, wie es einen andere Autoren gern glauben lassen. Denn in meinem Fall ist es nicht der grau-nasse Sonntag, an dem dicke Regentropfen gegen das Fenster trommeln und die Teetasse neben dem Laptop dampft. Nicht der Mond, der bei einer spätabendlichen Schreib-Session auf die Notizen scheint wie ein Freund, der mir in der nächtlichen Stille Gesellschaft leistet. Nicht die inspirierende Instrumental-Playlist auf Spotify, nicht das ledergebundene Notizbuch, der Ohrensessel vor dem Kamin, das kleine Häuschen am Waldrand…

„Wann kann man deinen Roman denn lesen?“
Nicht viele Menschen wissen, dass ich überhaupt an einem derartigen Projekt arbeite, geschweige denn, dass ich es damit absolut ernst meine. Vielleicht, damit ich diese Frage nicht allzu oft beantworten muss.
„Wer weiß…“ Ich zucke mit den Schultern, aber weil die Frage nicht auf eine Verlagsveröffentlichung, sondern auf die tatsächliche Existenz eines veröffentlichungswürdigen Textes anspielt, ergänze ich vorsichtig: „Ende des Sommers…?“

Da sind sie wieder, die Worte, die alles zum Stillstand bringen können und die Zahl auf meinem Bildschirm so viel kleiner erscheinen lassen, ganz besonders, weil ich zu dem Zeitpunkt, als mir diese Frage gestellt wird, gar nicht schreibe.

Und hier sitze ich nun. Es ist August, man könnte auch sagen: Die Mitte des Sommers. Meine Finger bringen wieder Worte aufs Papier, zaghaft, noch nicht einmal stetig.
Das Schreiben und ich, wir sind ein eigenwilliges Paar. Wir wollen in Ruhe gelassen werden. Wollen uns frei entfalten können. Oder auch nicht. Worte sind schwer greifbar, erscheinen flüchtig, zwischen alltäglichen Momenten, verfliegen wieder, wenn ich nicht rechtzeitig zugreifen und sie auf den Seiten eines Notizbuchs festhalten kann. Das ist okay.
„Was lange wärt, wird gut“, sagt man, und ich glaube, da ist etwas dran.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s