Strandgut

Die Sonne steht schon tief. Ihre Strahlen blitzen gerade noch über die Dachkante der Häuser da drüben, so dass ich sie sehen kann, den Kopf auf deiner Brust. Du hast meinen-deinen Lieblingspullover an, er ist dunkelgelb oder orangebraun, mit Farben kenne ich mich nicht aus. Dein Herz schlägt laut, direkt unter meinem Ohr, und mit jedem Schlag werde ich ruhiger, komme ich an. Es gibt kein Zurück.

Ich bin gestrandet in diesem Zuhause, das so weit weg ist von dem Ort, den ich eigentlich so bezeichnen sollte. Ich war mir nie sicherer als heute, dass Zuhause ohnehin kein fester Platz ist, sondern wandelbar, ein Gefühl, oder vielleicht eine Person. Für mich bist das du, glaube ich, ganz vorsichtig nur, obwohl wir es beide wissen und obwohl ich das ebenfalls bin, dein Zuhause. Wir flüstern es hin und wieder, Worte, die nur wir hören können, als ob es verboten wäre, wenn zwei Seelen sich finden und merken: Wir sind eins.

„Willst du noch Pizza?“ Ich schüttle den Kopf. Die Reste von vorhin liegen noch auf dem Tisch, daneben halb ausgetrunkene Gläser, weil wir es nicht mehr ausgehalten haben, so fern voneinander, eine halbe Tischbreite entfernt.

Die Sonne ist längst untergegangen. Ich bin noch hier, nicht dort, obwohl sie das mein Zuhause nennen, doch das ist eigentlich hier, es trägt einen dunkelgelben Pullover, vielleicht ist er auch orangebraun, mit Farben kenne ich mich nicht aus. Ich weiß es, ich weiß es schon lange, bin nie mehr wirklich dort gewesen, seit ich dich kenne, nicht mehr mit ganzem Herzen.

Liebe ist etwas Sonderbares, eine vage Hoffnung des Lebens, eine Suche ohne Phantombild, ein Stück Strandgut, über das wir zufällig stolpern, man kann nie sicher sein: Ist sie das jetzt?

Doch ich bin sicher, das ist sie. Sie riecht nach nassem Hund und kalter Pizza, sie klingt nach Meeresrauschen und deinem Herzschlag. Du bist das Zuhause, das ich gesucht habe. Ich wusste es nur noch nicht.

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